Kategorie-Archiv: Bilder einer Stadt

Bilder einer Stadt – Der Tourismus

 

Melilla viejoEs ist Freitagabend in Melilla und das lange Wochende beginnt. Der heutige Tag hat mich wieder einen Schritt weiter gebracht. Ab Dienstag kann ich meine Arbeit im Flüchtlingslager beginnen und es sieht auch so aus, als würde ich eine andere Genehmigung bekommen, mit der ich nicht gerechnet habe. Davon mehr, wenn ich sie wirklich in Händen halte. Drückt mir die Daumen!

Am Wochenende möchte ich mich mit Melilla selbst beschäftigen. Um die Stadt besser kennenzulernen, versuche ich, mich ihr aus unterschiedlichen Perspektiven anzunähern.

Als Reisende beginne ich mit dem Naheliegendsten – dem Tourismus. Das Fremdenverkehrsbüro bietet diverse Broschüren, hier ein Auschnitt aus dem offiziellen Hauptprospekt.

Eine Stadt für die Sinne

Haben Sie sich Melilla schon einmal als Urlaubsziel vorgestellt? Oft haben die ungewöhnlichsten Reiseziele den Vorteil, entdeckt werden zu können. Hier bringen wir Ihnen Melillas Gegenwart näher, eine moderne und betriebsame Stadt, die ihren Besuchern viele touristische Reize anzubieten hat.

Die Stadt vereint in sich das Geheimnisvolle Afrikas und die Geschichte Spaniens: Eine kleine Stadt, die der Entdeckung und dem Vergnügen ihre Tore öffnet. Die Stadt Melilla ist das Fenster, durch das man zwei Kontinente betrachten kann. Sie ist seit über 500 Jahren eine vom Mittelmeer umspülte Enklave in Nordafrika, die entdeckungsfreudigen Besuchern einen Urlaub voller Exotik und kultureller Vielfalt und Aktivitäten im Freien bietet.

Vom Charme der Jahrhunderte alten Mauern der Zitadelle, bis zur farbenprächtigen Explosion der Jugendstil-Architektur mit mehr als 900 Jugendstil- und „Art-Déco“ Gebäuden bietet Melilla den flanierenden Besuchern eine Vielzahl von Eindrücken auf ihren Strassen. Das Meer und der Geist der vier Kulturen zeigt sich in der exquisiten Gastronomie und der Vielfalt der Bräuche und künstlerischen Ausdrucksformen der Stadt.

Nur wenige Menschen kennen die vielen Attraktionen, die dazu einladen, die Stadt Melilla zu besuchen. Die Pracht dieser Stadt, die die Geschichte als Brücke zwischen zwei Kontinenten durchlebt hat, offenbart wahre Schätze.

Eine der grössten Besonderheiten Melillas und sicherlich die Einladendste, ist der Charakter ihrer Menschen. Hier leben verschiedene Gemeinschaften zusammen (Christen, Muslime, Juden oder Hindus), die mit ihren kulturellen Identitäten die Stadt Melilla mit erstaunlichen Kontrasten füllen und die Strassen der Stadt bereichern.

Diese kulturelle Mischung prägt auch Melillas Gastronomie, die -als Verschmelzung der Mittelmeergastronomie und der multikulturellen Geschichte- mit ihrer Vielfalt an Aromen und geschmackvollen Spezialitäten die Gaumen erobert…

mehr auf http://www.melillaturismo.com

Es gibt auch ein sehr schönes Video, das in der Touristeninfo die ganze Zeit läuft:

Morgen geht´s weiter mit dem Bild, das die Medien vermitteln.

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Bilder einer Stadt – die Medien

mikrofone-dpaDie Journalisten sind wieder in der Stadt. Für dieses Wochenende hat die Guardia Civil erhöhte Alarmbereitschaft angekündigt. Morgen ist das islamische Opferfest, einer der höchsten islamischen Feiertage. Auf marokkanischer Seite des Zauns wird daher möglicherweise nicht so sorgfältig die Grenze bewacht. Die Militärhubschrauber kreisen über Melilla und das Polizeiaufgebot ist noch höher als sonst.

Vieles deutet darauf hin, daß wieder ein Massenansturm bevorsteht. Den ganzen September über war es ruhig am Zaun, die erneute Verstärkung zeigte Wirkung. Doch die Herbststürme und der Winter nahen – und damit wird das Leben für die Flüchtlinge am Monte Gurugu noch unerträglicher . Am 1.Oktober haben 200 Personen versucht, den Zaun zu überwinden, aber keiner hat es geschafft. Es muß bald wieder „etwas Großes“ stattfinden – und dieses Wochenende wäre die ideale Gelegenheit. Der Journalistentross ist in Melilla eingekehrt und wartet darauf, daß etwas passiert.

Es gibt kaum Medienbilder, auf denen die Stadt Melilla zu sehen ist. Die Berichte über die Fluchtversuche zu illustrieren, gestaltet sich schwierig, da diese schnell und überraschend –  logischerweise ohne vorherige Information der Medien – stattfinden.

presseWassergrenzeDieses  – im Jahre 2014 – meistgenutzte Bild wurde am 2.4.2014 an der nördlichen Grenze zu Melilla aufgenommen. Die Flüchtlinge saßen 15 Stunden lang am Zaun und weigerten sich, ihn zu verlassen. Dies gab genug Zeit, Fotos in diversen Varianten zu machen.  Alle Flüchtlinge wurden nach ihrer Verzweiflungstat den marokkanischen Behörden übergeben.

pressePolizeiEin weiteres beliebtes Motiv ist das Polizeihauptkommisariat. Es befindet sich direkt am Hafen. Hier müssen sich die Flüchtlinge registrieren lassen, um eine „Tarjeta“ zu bekommen, die den Zugang zum Lager CETI gewährleistet.

PresseCetiDies ist das Centro de Estancia Temporal de Imigrantes (Ceti). Auf den meisten Pressefotos ist es nur von außen zu sehen, denn es kann ohne  Genehmigung nicht betreten werden. Zur Struktur dieses Lagers erzähle ich nächste Woche mehr.

Fotos mit Migranten werden fast immer vor den Toren des CETI oder schräg gegenüber am Zaun gemacht. Würde direkt gegenüber des Lagers gefilmt, wäre der Golfplatz zu sehen. Zu diesem Kuriosum erzähle ich ebenfalls ein anderes Mal mehr.

PresseZaunDie meisten veröffentlichten Fotos des Zaunes sind im unmittelbaren Umkreis des CETI entstanden. Daher glaubt auch jeder, das hinter dem Zaun Einöde ist. An einigen Stellen geht die Stadt auf der anderen Seite des Zaunes einfach weiter ( es gibt kleine Grenzübergänge, die nur zu Fuß überquerbar sind), doch diese Bilder sind den meisten nicht bekannt.

Nachdem ich zur Recherche einige Zeit vor dem Google-Fotoarchiv verbracht habe, kann ich sagen, daß oft die selben Fotos seit Jahren zur Illustration unterschiedlichster Artikel verwendet werden. Sie sind scheinbar austauschbar.  Es geht wohl eher darum, eine Art „Symbolfoto“ zu verwenden als real Geschehenes zu illustrieren. Genau diese Bilder prägen unser aller Vorstellung, was dort passiert. Aber die Stadt besteht nicht nur aus dem Lager und der Polizeistation, die meisten Flüchtlinge im Lager sind keine Schwarzafrikaner sondern Syrer und die überwiegende Mehrheit der Zaunüberwindungen findet in der Nacht statt.

Wir denken in Bildern. Und diese Bilder haben wir durch die Medien – doch wie real sind sie?

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