Ankommen

Image00001In einer Stadt ankommen und angekommen sein ist nicht das Selbe.

Die Anreise dauerte gestern den ganzen Tag und ich kam erst abends hier am Flughafen an. Kaum betrat ich das Hotel, rief mir die Rezeptionistin ein freundliches „Bienvenido, Tanja“ zu. Ich war leicht irritiert, hatte ich doch nie zuvor dieses Hotel aufgesucht. Schnell stellte sich heraus, daß die Dame mich gegoogelt hatte und daher mein Gesicht sowie meine Arbeiten kannte – soviel zum Thema „unauffällig reisen“. Nach einigen Fragen, was ich denn hier so mache und der Versicherung, daß das Internet morgen wieder funktionieren wird, durfte ich mein Zimmer beziehen.

Der heutige Tag beginnt drückend schwül und regnerisch abwechselnd. An einen Kaffee ist vor 9.00 morgens nicht zu denken, die Stadt hat einen anderen Rhythmus.

Dann eine Absage, meine Kontaktperson muß überraschend verreisen, sie versichert aber, daß sich jemand anders bei mir melden wird.

Das Internet funktionierte immer noch nicht, also mache ich mich erstmal auf die Suche nach einem Supermarkt, den ich auch am anderen Ende der Stadt finde. Es ist „Kopfweh-Wetter“, der Verkehr ist laut und permanent werde ich um Geld und Zigaretten gefragt. Die Stadt ist viel zu voll. Der Strandspaziergang mittags endet mit einem Regenguß.

Mittlerweile bin ich in der Stimmung „Warum mache ich das eigentlich, ich will nach Hause“.

Doch als ich tropfnass zum Hotel zurückmarschiere, klingelt mein Telefon – es ist jemand, der mir bei meinen Recherchen helfen wird. Ich beschließe, mir einen Kaffee zu genehmigen und setze mich in eine Bar.

Die Kellnerin spricht mich mit „Mi Vida“ an, versichert, daß das Wetter besser wird, gibt mir ein Handtuch und binnen einiger Minuten bin ich in die Bargespräche bestens integriert.

Die Autos halten an, wenn ich über die Straße möchte, der Kioskverkäufer kann nicht wechseln und schenkt mir daher den Kaugummi und nachdem ich sehr hilfsbereit durch drei Geschäfte gelots wurde, besitze ich auch einen Stadtplan. Die angekündigte Freundin meiner Kontaktperson meldet sich bei mir und hilft mir, die Genehmigung für meine Arbeit im Flüchtlingslager zu beantragen. Das Internet im Hotel funktioniert wieder und ich trinke ein Glas Rotwein an einem kleinen Platz.

Tief durchatmen – Ich bin angekommen.

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