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Kobane ist nur ein Handyfoto entfernt

Ein weiteres Erinnerungsfoto: Auf die Tasche hat Hamid die kurdische Sonne gestickt.

Ein weiteres Erinnerungsfoto: Auf die Tasche hat Hamid die kurdische Sonne gestickt.

Hamid erwartet mich morgens am Treffpunkt zum Workshop. Er singt. Dann zeigt er mir Handyfotos einer zerstörten Stadt und Köpfen von Enthaupteten.
Er sagt nur ein Wort: Kobane.
Es sind die Bilder seiner Stadt. Seine Familie ist großteils noch dort oder in den letzten Tagen in die Türkei geflüchtet.

Weitere Fotos folgen: sein Haus, sein Geschäft, sein Leben.
Er kommentiert: Reposer perdu – Es ist verloren.

Menschen aus Syrien haben ihre Handys voller Fotos. Das ist alles, was ihnen geblieben ist. Da sie nichts mitnehmen konnten, wurde alles fotografiert. Hochzeitsfotos der Eltern, die Einrichtung der Wohnung, die Haustiere. Alles was ihnen wichtig ist. Sie waren Goldschmied, Biologieprofessorin, Grafiker. Sie haben studiert, gearbeitet, ihre Kinder aufgezogen. Sie kochten gerne, sammelten Schallplatten, haben in ihrer Freizeit Kleidung genäht. Sie haben Feste gefeiert, auf ein neues Auto gespart, Pläne für die Zukunft geschmiedet.

Jetzt sitzen sie im Lager, warten und sehen sich ihr bisheriges Leben auf dem Handy an. Sie sind nur noch eines – Flüchtlinge.

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