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Grenzen überwinden und Grenzen überschreiten

Am Weg zum Workshop, immer schön den Zaun entlang.

Am Weg zum Workshop, immer schön den Zaun entlang.

Heute früh morgens gab es wieder einen Massenversuch, die Grenze zu überwinden.
Stunde um Stunde fuhr die Guardian Civil durch die Stadt, die Hubschrauber kreisten und hektisch liefen die – in meinem Hotel untergebrachten – Polizisten laut telefonierend umher.

300 Menschen, nur einer hat die Flucht geschafft. Sie haben es an mehreren Stellen, an Land und übers Meer, gleichzeitig versucht.

Dies ist heute natürlich Thema am gemeinsamen Weg zum Workshop. Erinnerungen werden wach. Einer erzählt von seiner 1 1/2 Jahre dauernden Reise von Guinea nach Melilla. Via Mauretanien, Senegal und Algerien zum Monte Gurugu an der Grenze. Er hatte Glück, schaffte das Überklettern beim ersten Versuch. Von den 300, die es damals versuchten, haben es gerade mal 20 geschafft. Er erzählt von der marokkanischen Polizei, die auf jene am Zaun sitzenden Flüchtenden von unten mit langen Eisenstangen eingeschlagen hat und von der Guardian Civil, die sie – nach erfolgreicher Überquerung – ebenfalls schlug und ihre Handys zertrat. Ein anderer meint, dies sei nicht so schlimm, er wurde nach erfolgreicher Überwindung des Zaunes durch eine Tür nach Marokko zurückgeprügelt. „Heiße Abschiebung“ wird das genannt und ist klar gegen das europäische Asylrecht. Es hat ihn einige Monate gekostet, soweit wieder gesund zu werden, daß er einen neuen Versuch wagen konnte – diesmal erfolgreich.

Von solchen Übergriffen können die meisten hier berichten, sei es durch die marokkanische Security (das marokkanische Heer hat die Abteilung für die Grenzüberwachung mehr oder weniger privatisiert) oder die spanische Guardia Civil.

Wer das alles nicht glauben kann, dem lege ich das untenstehende Video ans Herz, die Dokumentation einiger Übergriffe des letzten Jahres. Es entstand für die aktuell laufende Ausstellung 100 Artistas en la frontera sur.


Das Video endet mit einer Einblendung, der ich mich anschließen möchte:

Diese Dokumentation wurde ermöglicht durch die Arbeit zahlreicher Künstler, Fotoreporter und Aktivisten der DDHH. Einige von ihnen haben aufgrund der Aufnahmen, die sie gerade gesehen haben, Geldstrafen erhalten,  anderen wurde die Kamera konfisziert.
An sie alle: Danke!

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Das ist keine Fotomontage

Foto, aufgenommen von Jose Palazon heute vormittags

Foto, aufgenommen von Jose Palazon heute vormittags

Seit heute, 7.50 Uhr morgens, sitzen diese Menschen auf dem Zaun und weigern sich noch immer verzweifelt, hinunterzukommen. (Stand 19.30 Uhr)

Es gab wieder einen Versuch, den unmenschlichen Zaun zu überwinden. Diesmal fast direkt gegenüber des CETI. 15 – 20 Menschen unterschiedlicher Nationen haben es geschafft, der Rest (ca. 80 Personen) wurde vom marokkanischen Militär gestoppt bzw sitzen am Zaun fest. Nachdem Bewohner des CETI versucht haben, nahe des Zaunes zu gelangen, um die Polizei abzulenken, durfte ab 08.15 niemand dunkler Hautfarbe mehr das Ceti verlassen.

Welch bizarrer Anblick. Im Lager beobachten die Bewohner durch den Zaun des CETI den Grenzzaun, auf dem sich verzweifelte Menschen seit Stunden festkrallen. Die Straße am Zaun ist komplett für den Verkehr gesperrt, damit niemand dem Geschehen zu nahe kommt. Am Golfplatz zwischen Ceti und „La Valla“ kurven die Golfwagen und gestylte Menschen spielen Golf, als ob nichts wäre.

DIESES FOTO IST KEINE FOTOMONTAGE! Auch ich selbst habe einige Aufnahmen gemacht.

Gibt es ein besseres Symbol für den Zustand Europas?

 

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Der Golfplatz und die Flüchtlinge – Das Video

https://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=Vb1lP69c3ZA

Das Video zum Foto, aufgenommen während mehrerer Stunden am 22.10.2014, Golfplatz von Melilla.

Die letzten Flüchtlinge gaben um 21.30 Uhr auf, die Guardia Civil hatte ihnen während all dieser Stunden (ab 7:50 Uhr morgens) nicht einmal eine Flasche Wasser gegeben. Alle wurden nach Marokko deportiert.

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