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Vier Sprachen & eine Nähnadel

Workshop, Tag 1

Workshop, Tag 1


22 Personen, 6 Nationen, 4 Sprachen und Vorkenntnisse von „Ich hatte noch nie eine Nadel in der Hand“ zu „Ich bin ausgebildete Restauratorin“. Willkommen im kreativen Chaos!

Wir treffen uns um 9 Uhr morgens im Flüchtlingslager CETI. Wir alle? Nein –  leider nicht, denn ich hab noch immer keine „Tarjeta“ (= Zugangsberechtigung). Also heißt es für mich erstmal vor der Tür warten, bis sich alle zusammengefunden hatten und wir unsere Stadtwanderung beginnen können.

Der Kurs findet in den Räumen der ACOGE statt, in einem anderen Stadtteil. Da das Lager völlig überfüllt ist (momentan 1462 Personen anstelle der geplanten max. 400) gibt es keine andere Option. Außerdem geht es auch darum, das sich die Menschen aus dem Lager herausbewegen und mal etwas anderes sehen.

Wir gehen zu Fuß, denn die Flüchtlinge bekommen hier zwar Schlafplätze, Essen und Kleidung, aber kein Geld. Daher fällt Bus fahren aus.

So ein langer Morgenspaziergang bringt die Gespräche schnell in Gang, nachdem alle herausgefunden haben, wer welche Sprachen spricht. Ich bin die Einzige der Betreuerinnen mit Englischkenntnissen, daher unterhalte ich mich hauptsächlich mit einer Frau von den Philippinen, einer aus Kenia und einer aus Syrien, die die meisten Sprachen von uns allen spricht (Englisch, Französisch, Arabisch und etwas Deutsch). Die Bewohner des Lagers kennen einander kaum, sie bleiben lieber nach Sprachgruppen getrennt unter sich.

Zu versuchen, in 3 Sprachen (Englisch, Französisch und Arabisch) gleichzeitig während eines Kurses zu kommunizieren, stellt sich als etwas kompliziert heraus. Keine der Betreuerinnen kann eine zweite Fremdsprache, also kommunizieren wir untereinander auf Spanisch, was aber sonst niemand versteht. Die meisten der 8 Männer haben noch nie genäht, ihre Erstversuche werden von den Frauen etwas belächelt. Doch irgendwie klappt es. Nach zwei Stunden zeigt eine Frau aus Syrien einem Mann von der Elfenbeinküste, wie ein spezieller Nähstich funktioniert, während ein anderes Mädchen aus Syrien mit einer Frau von den Philippinen wortreich – jede in Ihrer Sprache – über diverse Farboptionen diskutiert. Das Eis ist gebrochen und am Rückweg ins Lager ergeben sich viele Gesprächsversuche. Es wird auch versucht, sich auf Spanisch miteinander zu unterhalten, doch das geht über „Wie geht´s Dir“ noch nicht hinaus. Die meisten sind erst am Anfang ihres Spanischkurses.

Wir verabschieden uns am Eingang des CETI und ich muß die Einladung, mitzukommen und das Lager zu besichtigen, leider ablehnen – denn ich hab ja noch keine „Tarjeta“. Einer der Bewohner meint, er habe seine Tarjeta innerhalb von kurzer Zeit erhalten & für mich sollte das doch einfach sein, denn immerhin komme ich ja aus Europa. Dazu fällt mir nichts ein und ich vereinbare den Besuch für Donnerstag. Da geht der Kurs mit diesen Teilnehmern weiter.

Morgen beginnt ein zweiter Kurs, denn wir mußten aufgrund der vielen Anmeldungen den Workshop teilen. Dienstag & Donnerstag gibt es „Kunsthandwerk“, Mittwoch und Freitag widmen wir uns dem Ausbessern, Stricken und Nähen von Kleidung.

Für heute schwirrt mir der Kopf von all den Sprachen, aber ich hatte einen sehr spannenden Tag. Ich freue mich schon auf morgen – neue Bekanntschaften, ein neuer Kurs und neue Herausforderungen.

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