


Verlassen
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- Entstehungsjahr
- 2009
- Entstehungsort
- Villa de Lago Epecúen, Argentinien
- Austellungsort
- Alpbach, Österreich
- Maße
- 21 Stoffbahnen je 100 x 400 cm
- Material
- C-Print auf Fahnenstoff
Eine Ausstellung im Rahmen des Forum Alpbach 2009
Im November 1985 stieg das Wasser des Lago Epecúen binnen 20 Tagen um mehrere Meter und überflutete den Tourismuskomplex Villa de Lago Epecúen. Das stark salzhaltige Wasser zerstörte nicht nur die Gebäude, sondern vernichtete jegliches Leben auf den betroffenen Böden für Jahrzehnte.
Was war passiert? Der Lago Epecúen ist ein See mit hohem Salz- und Schwefelgehalt rund 600 km südöstlich von Buenos Aires. Er verfügt über keinen oberflächlichen natürlichen Zufluss und auch über keinen Abfluss. Dem Wasser werden – ähnlich jenem des Toten Meeres – Heilkräfte nachgesagt. Dieser Umstand führte zu einem Tourismusboom im nahegelegenen Städtchen Carhué. In den 1920er-Jahren bauten Investoren aus der Hauptstadt den Tourismuskomplex Villa de Lago Epecúen direkt am 8 km von Carhué entfernten Seeufer. In den Jahrzehnten darauf blühte Villa de Lago Epecúen zu einem modernen Tourismusort mit 1 500 Einwohnern und 25 000 Hotelbetten auf, während der ehemalige Kurort Carhué zunehmend ins Abseits und damit in die – nicht nur wirtschaftliche – Depression rutschte.
In den 1960er-Jahren war die Region von ungewöhnlicher Trockenheit betroffen, was den Lago Epecúen ebenso wie nahegelegene andere Seen nahezu austrocknen ließ. Am Höhepunkt der Trockenperiode war der Lago Epecúen nur noch rund 2m tief und wies einen Salzgehalt von 400g/Liter auf. In dieser Phase ersuchte die lokale Politik um Hilfe. Diese kam in Form von Zuleitungskanälen von den großen Flüssen, die die Wassermaßen von den Anden Richtung Atlantik transportierten. Der Wasserstand stieg wieder, das Geschäft mit dem Tourismus konnte weitergehen. Doch das Klima änderte sich wieder. Das Wasser im Lago Epecúen stieg bedrohlich. Hilferufe der örtlichen Bevölkerung verhallten ungehört, die Regierung Argentiniens versprach sich des Problems anzunehmen. Auf diese sollten sich die Bewohner von Villa de Lago Epecúen nicht verlassen können.
Die Katastrophe nahm ihren Lauf. Die Menschen mussten Villa de Lago Epecúen verlassen und zogen zurück nach Carhué, wo der Tourismus neuen Aufschwung erhielt, da das Seeufer bis an den Rand der Stand gekommen war. Doch der Wasserspiegel des Sees stieg weiter. Bis in die frühen 1990er-Jahre mussten die Bewohner Carhués bangen, dass ihrem Ort das selbe passiert wie Villa de Lago Epecúen. Erst 1993 reagierte Staatspräsident Duhalde in dem er die Zuleitungskanäle zum See kappte und umleitete. Nun steigen die Wasserspiegel anderer Seen...
Gegenüber dem Höchststand des Lago Epecúen ging das Wasser in den letzten 15 Jahren wieder etwas zurück und gibt die stummen Zeugen der Katastrophe des November 1985 wieder frei.
Die Fotos sind im Rahmen eines Besuchs Villa de Lago Epecúens und Carhués im Jänner 2009 im Rahmen einer Führung durch eine Zeitzeugin entstanden. Im Rahmen der Ausstellung Verlassen werden die Fotos als schemenhafte Abbilder gezeigt. Sie schweben im Raum, so wie dieser Ort als Ganzes nur noch in Fragmenten der Erinnerung präsent ist.
