Schuhe für Nirgendwo
Entstehungsjahr: | 2025 |
Entstehungsort: | Lampedusa |
Maße: | zwei Teile, jeweils 12×5×3 cm |
Material: | Handstickerei auf Seidengaze, gefüttert mit Afrikadamast |
Projekte: |
Winzige Schuhe, sorgsam von Hand gestickt – ein Geschenk, das nie getragen wird. Eine Geste der Fürsorge, die zu spät kommt.
Schuhe für Nirgendwo entstand im Rahmen von Hospitium – Das Lampedusa Projekt und ist Yusuf gewidmet, einem sechs Monate alten Kind, das die Überfahrt über das Mittelmeer trotz Rettung durch die NGO Open Arms nicht überlebte. Yusuf verbrachte mehr Zeit im Bauch seiner Mutter als auf dieser Welt. Sein Grab befindet sich auf Lampedusa.
Die Schuhe sind in aufwendiger Petit Point-Technik gefertigt – einer Stickerei, die im Biedermeier von wohlhabenden Auftraggebern für luxuriöse Objekte verwendet wurde, darunter Babyschuhe. Das Futter besteht aus kostbarem Afrikadamast der österreichischen Firma Getzner, ein Stoff, der bis heute in Westafrika für festliche Kleidung verwendet wird.
Diese Schuhe werden niemals einen Weg gehen. Sie führen nirgendwohin.
Sie stehen für eine vergebliche Geste der Fürsorge, zu spät gemacht. Ein Paar Schuhe als Geschenk für ein Kind, das sie niemals tragen wird – und zugleich ein Symbol für die vielen Kinder, die auf dem Weg nach Europa ertrunken sind. Gleichzeitig spiegeln sie die Ohnmacht der Künstlerin wider, die angesichts dieses Todes Zuflucht in der Handarbeit sucht.
Mit dieser Arbeit stellt Tanja Boukal Fragen nach den Grenzen von Kunst, der Leere von Luxus angesichts von Tragödien und den leisen, fragilen Gesten, mit denen wir dem Vergessen zu trotzen versuchen.