TUN

Entstehungsjahr
2023-2024
Entstehungsort
Rheinau, Schweiz
Material
Schwarzweißfotos

Tanja Boukal, hat mit ihrem Projekt „TUN“ die „Kunst-am-Bau-Ausschreibung“ des Kantonbauamts Zürich für die Neugestaltung des Wohnheims Tilia gewonnen. Dieses Wohnheim bietet 80 erwachsenen Menschen mit Beeinträchtigungen, sei es psychisch, geistig und/oder auch physisch, ein liebevolles Zuhause und eine strukturierte Tagesgestaltung.

Der Kanton Zürich eröffnete 1867 eine psychiatrische Pflegeanstalt im ehemaligen Kloster Rheinau. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde das stationäre Angebot kontinuierlich reduziert und 2000 der Standort Klosterinsel aufgegeben. Heute betreibt die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich in Neu-Rheinau spezialisierte Angebote in der stationären forensischen Psychiatrie sowie das Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP).

Bestandteil dieser denkmalgeschützten Anlage ist das Wohnheim Tilia, in dem die Bewohner neben einem angrenzenden Gartenbereich auch Zugang zu einem Tieratelier, einem Nutzgarten und Werkstätten für die Herstellung von Dekorations- und kunsthandwerklichen Artikeln haben. Dabei wird ein möglichst organischer und „natürlicher“ Lebensalltag geschaffen, der der „Familienstruktur“ in den einzelnen Wohngruppen entspricht.

Boukals Projekt „TUN“ stellt das eigenständige Handeln der Bewohnenden in den Fokus. Es zielt darauf ab, ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken und ihr Selbstwertgefühl zu fördern. Boukal nimmt sich die Zeit, mehrere Wochen vor Ort zu verbringen und die Menschen in ihrem Alltag zu begleiten. Erst wenn sie Teil der Gemeinschaft geworden ist, möchte sie in schwarz-weißen Fotografien festhalten, welche vielfältigen Tätigkeiten und Möglichkeiten in den Händen der Bewohnenden stecken. Die genauen Plätze für ihre künstlerischen Interventionen sollen in enger Absprache mit den Beteiligten festgelegt werden, sodass sie sich in ihrem gewohnten Umfeld wohl und respektiert fühlen können.

Mögliche Standorte für ihre Werke könnten das Eingangsportal, die rückseitige Fassade des Gebäudes, das Treppenhaus oder der Gemeinschaftsraum sein. Die endgültige Entscheidung über die Platzierungen wird jedoch erst nach Boukals Aufenthalt vor Ort getroffen, um sicherzustellen, dass die Kunstwerke harmonisch in die Umgebung und den Alltag der Bewohnenden integriert werden können.

„TUN“ steht für eine authentische Anerkennung der individuellen Fähigkeiten der Menschen mit Beeinträchtigungen und für eine künstlerische Verbindung zwischen Kunst und dem Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner. Durch diese Interventionen wird das Wohnheim zu einem Ort des Ausdrucks, der Selbstentfaltung und des gemeinsamen Wachstums.