Weiße Träume, Teil 3

Entstehungsjahr
2006
Entstehungsort
Vienna, Austria
Maße
60 x 29,5 x 22 cm
Material
wood, plastics
Präsentiert bei

SCOPE Basel 2009 | Basel | Jun 2009

Galerie Peithner-Lichtenfels | Wien | Mai 2008

Deutschvilla | Strobl am Wolgangsse | Sep 2007

Freiheit! Das ist die Maxime des Neoliberalismus, seitdem er zum Siegeszug um die ganze Welt angesetzt hat.

Der Freiheit wurden ihre historischen Geschwister Gleichheit und Brüderlichkeit entrissen – Kollektivität und Solidarität stehen der neuen Freiheit als Wettbewerbshindernis entgegen. Derart aus ihrem historischen Kontext gerissen, bedeutet Freiheit in ihrer Essenz nicht viel mehr als die Freiheit, Kriege in ihrem Namen zu führen (wenn man stark genug ist), die private Vorsorge selbst zu wählen (wenn man es sich leisten kann) oder sein Glück als Ich-AG zu versuchen. Es bedarf nur einer gründlichen Kosten-Nutzen-Rechnung und schon hat der kreativste Schmied sein Glück gefunden… individuell planbar und nicht an politische und gesellschaftliche Gegebenheiten gebunden.

In der neuen „freien“ Welt suchen die allermeisten ihr Glück in einer privaten heilen Welt, geschaffen durch Konsum. Dieser Rückzug ins Private schafft Idyllen, in welchen die „kleinen Freuden“ des Alltags genossen werden. Doch diese Idyllen sind brüchig. Weder durch die Reduzierung auf bürgerliche Enge und Innerlichkeit noch durch die nostalgische Bezugnahme auf die Tradition kann das verlorene Sicherheits- und Selbstwertgefühl zurückgewonnen werden. Hinter dem behaglichen Leben verbirgt sich Unbehagen. Der Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit lässt sich letztlich doch nicht verdecken.

Entlang dieser Bruchlinien entwickelt sich meine Arbeit.

„In einem gewissen Sinne spiegeln Puppenhäuser die moralische Einstellung sowie die militärischen Ambitionen einer bestimmten Epoche wider… nur an der Oberfläche sind sie Spielzeug, aber in einem tieferen Sinne sind sie Repräsentanten ihrer Zeit.“ (Jo Elisabeth Gerken)

Meine Installation besteht aus mehreren „Puppenstuben“. In diesen Schaukästen – eine Form der Präsentation, die im Biedermeier aufkam – ist der Idealzustand eingerahmt und festgehalten. Ihre Ordnung auch nur im kleinen, umgrenzten Bereich zu bewahren, verlangt Ignoranz und Selbsttäuschung. Die Belohnung dafür ist die Utopie, etwas „geschafft“ zu haben. Diese Idylle wird vollends schal, wenn ihr die Farbe genommen wird, wie der Freiheit ihre Geschwister genommen worden sind.

Weiß in weiß, ideal, sauber, aseptisch. Am Ende „frei“ von Farbe, Buntheit, Leben – und „frei“ von Utopie und Träumen.